Ein Okularauszug für das Baumarkt-Teleskop │ DE

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Vierhundert Jahre nach den ersten Teleskop-Beobachtungen von Galilei erklärte die UNESCO das Jahr 2009 zum « Jahr der Astronomie ». Anlässlich dessen veröffentlichte der Deutsche Verlag AstroMedia das Baumarkt-Teleskop, einen Bausatz mit hochwertigen Linsen, die mit einigen einfachen HT-Abflussrohren aus dem Baumarkt ergänzt werden müssen. Nach einer kurzen Bastelzeit entsteht ein hochwertiges Teleskop zum Preis einer CD. Die optische Qualität des Instruments ist beeindruckend, aber schon bei ersten Beobachtungen zeigen sich Schwierigkeiten bei der präzisen Einstellung der Bildschärfe. Tatsächlich hängt beim Teleskop die Erzielung eines scharfen Bildes von einer Abstandsänderung zwischen Objektiv und Okular ab, und zwar in einer Größenordnung im Millimeterbereich. Das ist beim Baumarkt-Teleskop nur schwer umzusetzen, weil das Okularzugrohr aus einer HT-Muffe mit Gummidichtung besteht, die sich nur sehr schwer am Haupttubus entlang verschieben lässt.

Unser Projekt möchte dazu eine Alternative anbieten: einen Okularauszug mit Zahnstangenauszug, der dem Standard von Amateurteleskopen entspricht. Dessen Prinzip ist relativ einfach: das Okular wird am Ende eines Okularzugrohrs eingesetzt, das Dank seines Zahnstangenauszugs unter der Wirkung eines Getriebesystems in seinen Okularführungskern und damit in den Haupttubus gleitet. Um dies zu erreichen, müssen einige Teile des Originalbausatzes durch drei 3D-gedruckte Elemente, ein modifiziertes Elektro-Stangenrohr und einige LEGO® Technic Bauteile ersetzt werden.

Oberndorfer, Hans, „Fernrohr-Selbstbau, Fenster ins Weltall“, Sterne und Weltraum, München, 1985, pp. 108-109

Nach dem Beschaffen des erforderlichen Materials wird zunächst der Okularführungskern (im 3D-Druckverfahren hergestellt) in den Haupttubus (HT-Rohr DN40) eingeführt. Darauf wird das aus LEGO® Technic Bauteilen bestehende Getriebesystem mit zwei M3 Schrauben montiert (1). In den so gebildeten Block (2) wird das Okularzugrohr – ein verkürztes Elektro-Stangenrohr mit einem modifizierten LEGO® Technik Bauteil (3) – hinein geschoben. Nun werden die beiden Linsen, aus denen sich das Okular zusammensetzt, in einen speziell dafür in 3D gedruckten Zylinder eingesetzt. Schließlich montiert man dieses Okular am Ende des Okularzugrohres und führt das Ganze in den Okularführungskern. Jetzt kann das Okular unter der Wirkung der Zahnräder leichtgängig und präzise im Haupttubus gleiten (4), was eine präzise Fokussierung der beobachteten Objekte ermöglicht.

Die detaillierte Bauanleitung für dieses Projekt finden Sie hier als PDF-Datei.

Dieses Konstruktionsverfahren ist eine spielerische und spannende Möglichkeit, sich den Bereichen der Optik, Mechanik und grundsätzlich der Astronomie zu nähern. Unabhängig von solchen technischen Verbesserungsvorschlägen ermöglicht das Baumarkt-Teleskop dank seiner 30-fach Vergrößerung und hervorragenden Bildschärfe dem Benutzer, die Beobachtung der Mondkrater sowie die Entdeckung der Saturnringe und der Satelliten des Jupiters. Diese Bilder, die sich für viele Menschen für immer ins Gedächtnis einbrennen, helfen mehr als lange Reden, ein Bewusstsein für unsere Beziehung zu Welt, Raum und Zeit zu entwickeln.

Unser besonderer Dank gilt: die Gärtner des Stadtteilgartens Schillerkiez und Meapunto für ihre weise Beratungen, Felix (xHain hack+makespace, Berlin) für den Austausch rund um das Projekt und den Druck der 3D-Teile, Olivier, Kajetan und Astrid für die Übersetzung und natürlich das Team des AstroMedia Verlags.

Um uns über dieses Projekt zu kontaktieren: astronomie@geniusitineris.net

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